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Interview: MIRA - wunderbar langsam um die Welt und ins Bordel

 

Hallo Mira, wann und wo kam bei Dir einst der Moment, an dem du dich entschlossen hast Musik zu machen?



Hallo Marcus, wenn du dich aufs Auflegen beziehst, kam der Moment 1996 in Halle an der Saale, nachdem ich eine Weile nur aus Sammlerleidenschaft Platten gekauft hatte und dann das Bedürfnis kam, meinen Musikgeschmack auch mit anderen zu teilen. Was das Produzieren angeht, gab es bereits erste Gehversuche in den Nullerjahren, zusammen mit der Lanetic Crew in Halle, mehr oder weniger kontinuierlich sitze ich aber seit 2011 immer wieder mit meinem musikalischen Lieblingspartner in Crime Christopher Schwarzwaelder im Studio.



Wie kamst du eigentlich auf die Idee, langsamere Melodien und Beats anzustimmen? Was waren und sind dabei deine Inspirationen? 



Das kam eher schleichend und war keine grundsätzliche Entscheidung. Ein riesen Einfluss war natürlich die Bar 25 mit ihren endlosen Partys, das schafft man so viele Stunden gar nicht mit durchweg schnellen Sounds... Dazu habe ich dort NU, Chris und Jonas kennengelernt, woraus enge Freundschaften entstanden sind, die mich natürlich auch musikalisch beeinflusst haben. Als ich zum ersten Mal NUs Produktionen gehört habe, hab ich fast geweint, weil ich von dieser Deepness verbunden mit Melancholie so ergriffen war. Er hat buchstäblich mit seinen Sounds mein Herz berührt... Ich liebe generell eher melancholische Sounds, die das Herz berühren und dich fast zum Weinen vor Glück auf dem Dancefloor bringen. Dazu auch gerne ein wenig düster. Auch diese Ethno-Einflüsse, wie zum Beispiel armenische Volksmusik oder traditionelle persische Musik mag ich unheimlich gern, was sicher auch damit zusammenhängt, dass ich durch und durch ein Hippiekind bin und mich handgemachte Musik schon immer begleitet hat. Da ich sehr viel reise, sammle ich unterwegs auch Eindrücke, die ich dann in meinen Sets oder Produktionen verarbeite.



Hättest du erwartet, dass das mal so erfolgreich wird und wie gehst du damit um so populär zu sein?



Ehrlich gesagt, habe ich darüber nie konkret nachgedacht und es hat sich alles irgendwie ergeben. Es ist ist eine großartige Sache, wenn man 2 Leidenschaften verbinden und davon auch noch leben kann, was bei mir das Reisen und die Musik ist. Ich genieße es sehr, um die Welt zu kommen und dabei Menschen mit meiner Musik etwas zu geben. Ich habe in den letzten Jahren so tolle Leute kennengelernt, die ähnlich ticken und daraus haben sich wieder enge Freundschaften entwickelt. Populär – ein für mich komisches Wort. Ich werde jetzt nicht permanent auf der Strasse erkannt. Da ich schon so lange dabei bin, kann ich mit dem momentanen Erfolg ganz gut umgehen und bleibe auf dem Teppich, glaub ich. Mir ist völlig klar, dass das Musikbusiness sehr schnelllebig ist und so ein Hype auch wahnsinnig kurzlebig sein kann. Deswegen sollte man jetzt nicht total ausflippen. Aber es ist natürlich irre, so viel positives Feedback von den Menschen, die meine Musik hören, zu bekommen und wenn nach deinem Set alle klatschen, weiß ich immer gar nicht, wo ich hinschauen soll. 



Mit wem würdest du gern mal back to back spielen, mit wem ins Studio gehen?



Da bin ich gerade eigentlich ziemlich happy mit Chris, unsere Zusammenarbeit funktioniert ganz großartig und b2b spiele ich am liebsten mit ihm, weil wir uns ohne Worte verstehen und total aufeinander eingespielt sind. 



Was hast du momentan spannendes auf der Pfanne, was ist in der Pipeline? Worauf können sich deine Fans als nächstes freuen, worauf in naher Zukunft freust du dich?



Der Sommer kommt und damit die Festival Saison, endlich wieder draußen mit Sonne und tagsüber, das liebe ich! Besonders freue ich mich da auf das Fusion und Garbicz Festival. Dazu kommen in nächster Zeit vier Remixe von Chris und mir raus. Einer für Jonas Saalbach, dann für Viken Arman, für Monolink und für KMLN, dazu auch noch alle auf Vinyl. Dann spielen Chris und ich diesen Sommer zum ersten Mal auf Ibiza bei der Veranstaltung von Acid Pauli ‘Acid Sundays’ im Heart Club, wir werden Ende August zum Burning Man fliegen und auch da spielen. Im September bin ich beim Symbiosis Festival in Californien dabei und es gibt große Pläne für eine Mittelamerika Tour im Herbst, wo ich in NYC, Peru und Mexico zusammen mit Feathered Sun spielen werde.



Mittlerweile reist du eben für Gigs um die halbe Welt, wohin denn besonders gern?

 

Es hat natürlich einen großen Reiz, für seine Gigs ins Warme zu reisen, wenn es hier kalt ist, weil ich nicht so der Winterfan bin. Das hat in den letzten 2 Jahren ganz gut geklappt. Generell finde ich Nord- und Südamerika gerade sehr spannend für mich, weil sich da momentan unheimlich viel ergibt und ich tolle Anfragen bekomme. Ich versuche bei so weiten Reisen ja auch immer ein wenig Urlaub mit dran zu hängen, das macht einfach mehr Sinn. Wenn man dann Zeit hat, noch ein bisschen von Land und Leuten mitzubekommen, ist das ziemlich cool. Aber ich liebe auch Europa oder die Türkei, ich spiele immer unheimlich gern in der Schweiz oder in Istanbul, was für eine Wahnsinns Stadt! Dazu hab ich in letzter Zeit auch Gigs im Nahen Osten gespielt und es gibt weitere Anfragen, was ich extrem spannend finde.



Wir sind sehr glücklich, dich am 23.6. endlich mal wieder im Bordel @ Renate begrüßen zu dürfen. Letztes Mal hast du zusammen mit Chris Schwarzwälder gespielt, warum freust du dich nun solo dabei zu sein?



Ich freue mich auch sehr, mal wieder bei euch dabei zu sein! Ich spiele super gern mit Chris zusammen, aber auch genauso gern solo, weil man da sein Set anders aufbaut und eher einen roten Faden verfolgt, als immer wieder total spontan auf den anderen und seine Vorlage einzugehen. Beides hat seinen Reiz.

 

Danke fürs Gespräch, wir können nicht erwarten dich wiederzuhören und zu sehen!

 

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